Rückblick und Ausblick
Entgegen landläufiger Meinung, ich sei verschollen und als Schuhputzer versklavt worden, muss ich Euch überraschenderweise mitteilen, dass es mir gut geht. Am Freitag hatte ich leider keine Zeit mehr, hier zu schreiben, da ich tagsüber im Zoo von Bĕijīng war, und abends die Kung Fu Show besucht habe. Der Zoo war nicht gerade überragend, aber doch ganz unterhaltsam. Die Tiere müssen jedoch unter gleichen oder sogar schlechteren Situationen leben, als in europäischen Zoos (siehe das Raubkatzengehege). Und auch das Fotografieren mit Blitz ist nicht untersagt, sodass ich mich wundere, warum manche der Tiere noch nicht durch das Blitzlichtgewitter durchgedreht sind. Wahrscheinlich haben sie sich einfach schon daran gewöhnt.
Die Kung Fu Show war allerdings sehr cool und hatte sogar eine Hintergrundstory, die garnicht mal so schlecht war ![]()
Die Show an sich war natürlich sehr beeindruckend und auch sehr atmosphärisch, farbenfroh und traditionell angehaucht. Es ging um einen Schüler, der neu in ein Kloster kommt, und alles zurück lassen muss. Seine Mutter wird dabei von einer Balletttänzerin gespielt (sah für mich zumindest so aus, alleridngs bin ich in Sachen Ballett leider nicht so bewandert), die dem Jungen anschließend noch mehrmals in seinen Träumen erscheint. Der Junge bekommt von dem Kung-Fu-Meister der Klosters die Geschichte von einem anderen Jungen erzählt, der genau das gleiche durchgemacht hat. Am Ende erfährt man, dass es seine eigene Geschichte, die des Meisters, ist. Also auch ein sehr schönes Ende.
Gestern war ich dann den ganzen Tag unterwegs. Zunächst bin ich von Bĕijīng nach Shànghăi geflogen, wobei ich, sobald ich im Flugzeug saß, bemerkte, dass ich natürlich meine Tasche im Hotel hab stehen lassen. Mich wundert, dass ich in der ganzen Woche davor noch nichts vergessen habe, da es eigentlich nur eine Frage der Zeit war
Zum Glück war nichts Wichtiges drin, nur Wäsche und Badzeug, und die Tasche wird mir vom Hotel nach Shànghăi nachgesendet werden (Airmail ging nicht, da Shampoo drin ist
).
Rückblick
Zusammenfassend war meine erste Woche in China äußerst spannend und erlebnisreich. Ich habe die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Shànghăi und Bĕijīng besucht und außerdem einige positive (und keine nennenswerten negative) Zusammenstöße mit den Einwohnern Chinas gehabt. Es war ein tolles Gefühl, einmal ohne alltägliche Aufgaben und Pflichten unterwegs zu sein, allein im Hotel zu wohnen, tun zu können, was man will, und sich auf eigene Faust Land und Leuten langsam anzunähern (deshalb habe ich auch nie Führungen mitgemacht). Meine persönlichen Highlights waren:
- meine Begegnung mit Bitar und Liu Fei (inklusive Teehaus)
- der Yu Yuan Garten in Shànghăi
- die Akrobatikaufführung in Shànghăi
- mein erster Besuch im Jingshan Park in Bĕijīng
- das JiaoZi Essen in Bĕijīng (mit den verschiedenen Akteuren und einer annähernden Unterhaltung auf Chinesisch)
- die chinesische Mauer bei Bĕijīng
Abschließend zu meiner Rückkehr aus Beijing hier noch einmal ein paar Bilder von Bĕijīng bei Nacht (folgen bald).
Wenn ich Bĕijīng mit Shànghăi vergleichen sollte, würde ich Shànghăi vorziehen. Zwar konnte ich die Menschen in Bĕijīng ein wenig besser verstehen, da der Bĕijīng Dialekt ja das offizielle Hochchinesisch ist, das ich auch vorher gelernt habe. Dafür wirkte Bĕijīng gegenüber Shànghăi auf mich so künstlich, weil alles in der Innenstadt so breit angelegt und war (wie die Mannheimer Innenstadt ist die von Bĕijīng übrigens in Quadraten angeordnet, nur dass die von Bĕijīng etwas größer sind
). In der Innenstadt Shànghăis sind die Straßen jedoch viel verwinkelter, stärker ineinander verflochten und lebendiger. Außerdem gibt es dort keine aufrdringlichen Souvenirhändler und zwielichtige Tourguides, die einem etwas andrehen wollen. Für Bĕijīng spricht zwar, dass es viel mehr Sehenswürdigkeiten und Parks bietet, die auch gut besucht und zum Singen und Spielen genutzt werden. Hat man jedoch alle Sehenswürdigkeiten einmal gesehen und war in ein paar Parks, dann merkt man, dass die Bauart und die Verzierungen der Tempelgebäude alle ähnlich oder sogar gleich und deshalb nicht mehr so faszinierend sind (siehe Detailfotos in meinen vorigen Berichten). Deshalb kann ich Bĕijīng auf jeden Fall für eine einwöchige Rundreise empfehlen, jedoch meiner Ansicht nach, nicht für viel länger. Aber über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten
Ausblick
Am gestrigen Freitag bin ich dann in mein Zimmer im Studentenwohnheim in Shànghăi gezogen, das sich im Minhang-Campus befindet. Der Minhang-Campus ist der Hauptcampus der Shanghai Jiao Tong University (SJTU) und liegt ganz weit draußen, ca. 45 Minuten vom Stadtzentrum entfernt, im gleichnamigen Minhang District von Shànghăi. Hier wurde für die SJTU ein riesiges Areal Areal errichtet, das neben den riesigen Lehr-, Verwaltungs- und vor allem Wohngebäuden der Universität sowie fünf Mensen auch allerlei Läden, ein Stadium, einige Sportplätze und sogar einen eigenen kleinen See bietet, also im Prinzip ein eigenes kleines Studenten-Dorf am Stadtrand, eingezäunt von Mauern und Toren.
Ich wohne zusammen mit Monaf, einem Studenten aus Syrien in Gebäude No. 8, der äußerst freundlich und hilfsbereit ist und mich herzlich willkommen geheißen hat. Er ist schon ein Semester hier und hat, wie einige andere reguläre Studenten aus dem Ausland hier, ein Stipendium von der chinesischen Regierung haben, um zuerst ein Jahr Chinesisch zu lernen und dann auf chinesisch (zusammen mit Chinesen) das Studium zu absolvieren. In unserem Gebäude No. 8 wohnen die genannten Spipendiaten sowie Austauschstudenten, jedoch leider keine Chinesen. Unser Wohnraum besteht aus einem einzelnen Zimmer, ca. 15 qm² groß (plus einem kleinen Flur), in dem zwei Betten mit Nachttischchen, zwei Schreibtische, ein Kühlschrank und ein Fernseher stehen. Einen Wasserspender haben wir auch, den hat Monaf gekauft. Außerdem haben wir ein Bad, das mittelgroß, aber recht heruntergekommen ist. Alles in allem nicht gerade die beste Behausung, jedoch, wie ich finde, annehmbar.
Heute habe ich mir (für 25 Euro) ein Fahrrad gekauft, um auf dem Campus rumfahren zu können, wie die meisten Studenten hier. Am Montag werde ich meine Kurse wählen. Ich hoffe, dass ich meine Kurse am Softwareinstitut belegen kann, das für mindestens 3 meiner 4 Kurse zuständig sein müsste. Meine Ansprechpartnerin hier wusste davon noch nichts, dass ich auch dort Kurse belegen muss. Wenn das allerdings klappen sollte und die Kurse, die ich brauche, angeboten werden sollten, werden sie aber auf jeden Fall auf Englisch gehalten werden. Ein Chinese, den ich heute kennengelernt und mit dem ich mich sehr gut verstanden habe, studiert nämlich hier Informatik im zweiten Semester und hat mir das erzählt. Sein Name ist Shi Guang Sha (Bild siehe oben).
Mein Semester wird dann offiziell bis zum 6. Juli 2008 gehen, wobei ich natürlich noch nicht weiß, wann die Klausuren sind. Es kann also sein, dass ich schon vorher fertig sein werde. Für danach habe ich zwei (evtl. bald drei) Bewerbungen um ein Praktikum laufen, bei denen ich als Präferenzort China angegeben habe. Falls das klappen sollte, werde ich noch etwa bis Ende August in China bleiben. Falls nicht, werde ich am 9. Juli 2008 nach Deutschland zurückfliegen.
So weit so gut, ich werde jetzt mal wieder in meinem Chinesischbuch lesen. Hab nämlich noch einiges zu lernen ![]()
Leandra
Hey Bruderherz..
Hoffe sehr, dass du deine Kurse belegen kannst und sich vielleicht dann doch noch dein “Wohnort” verändert
Des mit dem Wasserspender is ja genau des richtige für dich
Bin froh, dass es dir gut geht, hoffe wir kriegen bald die verbindung über skype hin.
Knutscher aus Friedberg
Benjou
Geiler Einleitungssatz Arno!
Schuhputzersklave!!! ^^
Methu
Schoenen Schal traegst du da… haelt bestimmt schoen warm, wa?
Ich habe doch schon immer gewusst, dass Schals waermende Kraefte besitzen. 